Im soziologischen Forschungsdiskurs ist unumstritten, dass die hochmodernisierten Gesellschaften zur sozialen Desintegration tendieren: Individualisierung, Beschleunigung und Digitalisierung treiben die Menschen der Spätmoderne tendenziell eher auseinander als zusammen.
Dennoch bleiben auch die hypertechnisierten, wettbewerbsorientierten und zunehmend komplexen Gesellschaften handlungsfähig und reagieren flexibel auf die sich dynamisch verändernden Lebensrealitäten. Hierfür braucht es eine effiziente gesellschafts- und kulturenübergreifende Kommunikation, wie sie etwa gegenwärtige Fernsehserien leisten.
Ausgehend von soziologischen Theorien moderner Vereinsamung untersucht das Seminar die gemeinschaftsstiftenden Funktionen von Fernsehserien, wie sie in der aktuellen medienwissenschaftlichen Forschung beschrieben werden. Vor dem Hintergrund kulturkritisch-pessimistischer Perspektiven auf das Fernsehen als 'Vereinsamungsmaschine', wie sie noch bis Ende des 20. Jahrhunderts vorherrschten, werden die derzeit dominanten Perspektiven auf Fernsehserien betrachtet, die die verbindenden Kräfte betonen, die die Gesellschaft zusammenhalten: Verhaltensmodellierung, die Sichtbarmachung sozialer Kausierung und die Produktion von Zeitstrukturen helfen den spätmodernen Gesellschaften, ihre Interaktionen zu koordinieren; Kult und Fantum, Verhandlung von Wahrheit und die Erzeugung parasozialer Beziehungen bringen neue Erfahrungen von Nähe im Zeitalter wachsender Distanz hervor. Können Fernsehserien dazu beitragen, die Einsamkeiten der Spätmoderne besser durchzustehen oder gar zu überwinden -- oder produzieren sie nicht ihre ganz eigenen Einsamkeiten?
Zur Teilnahme ist keine medienwissenschaftliche Vorkenntnis nötig, jedoch sind ein gewisses Interesse an Fragen sozialen Wandels sowie eine Affinität für zeitgenössische Fernsehserien, anhand derer die Theorien geübt werden, von Vorteil.
eine regelmäßige und aktive Teilnahme, Referat
Zahl der LPs: 3 LP, unbenotet