Das Seminar führt in die Grundlagen von Klimaanpassung ein und verknüpft sie mit Demokratietheorie und Policy-Analyse. Es bietet einen Überblick über zentrale Felder der Anpassungspolitik (u. a. Hitze- und Dürremanagement, Hochwasserschutz, Küstenschutz, naturbasierte Lösungen, Raum- und Infrastrukturplanung) und betrachtet die gesellschaftliche und politische Mikro-, Meso- und Makro-Ebene (lokal, regional, national, supranational, international). Wichtige Akteure – Kommunen und Landkreise, Regionen, nationale Behörden, EU-Institutionen, Zivilgesellschaft, Wirtschaftsakteure, Stadtwerke/Versorger sowie Civic-Tech-Plattformen – werden identifiziert. Mithilfe des Policy-Frameworks wird der typische Ablauf vom Agenda-Setting über Policy-Design und Entscheidung bis zur Implementation und Evaluation (Policy Cycle) anhand ausgewählter Anpassungsmaßnahmen exemplarisch durchgespielt.
Im zweiten Teil wird eine international und innerstaatlich vergleichende Perspektive eingenommen: Welche Städte, Regionen und ländlichen Räume gelten als Pioniere der Klimaanpassung, welche sind „Problemräume“? Welche Dynamiken sind erkennbar – etwa zwischen urbanen Vorreitern und ländlichen Räumen, zwischen ehrgeizigen regionalen Strategien und zögerlichen nationalen Politiken, oder zwischen wechselnden Regierungsmehrheiten und stabilen lokalen Bündnissen? Was passiert, wenn Ambitionen auseinanderdriften (z. B. ambitionierte Kommunen vs. zurückhaltende Zentralregierung) und wie wirken sich Konfliktlinien (Verteilungsgerechtigkeit, Akzeptanz, NIMBY, Land-Stadt-Spannungen) auf demokratische Verfahren aus?
Ein Schwerpunkt liegt auf demokratischen Innovationen und Beteiligungsformaten online und offline: Bürgerräte und Planungszellen, Bürgerhaushalte, Reallabore, Nachbarschaftsräte, Mediationsverfahren, sowie digitale Beteiligungsplattformen (z. B. konsultative Portale, Crowdmapping, Reporting-Apps). Wir diskutieren Qualitätskriterien demokratischer Beteiligung (Inklusivität, Deliberationsqualität, Repräsentativität, Wirksamkeit), die Rolle von Wissen (Expertise, lokales Erfahrungswissen), Transparenz und Rechenschaft, aber auch Herausforderungen wie digitale Spaltung, Moderation, Trolling/Misinformation und Datenschutz.
In diesen Themenfeldern werden Referate erarbeitet; ein Thema kann frei gewählt werden. Im letzten Block des Seminars werden die Ergebnisse vorgestellt. Ziel ist eine eigenständige Untersuchung einer oder mehrerer Fallstudien in vergleichender Perspektive (z. B. Flussgebiets-Management, Hitzeschutzpläne, Schwammstadt-Konzepte, Dürreresilienz in Agrarräumen, Managed Retreat, Versicherungs- und Förderinstrumente, Stadt-Land-Koalitionen). Die Themen werden im ersten Teil entwickelt, gemeinsam diskutiert und überarbeitet (Feedback-Schleife) und schließlich präsentiert. Methodisch arbeiten wir mit Policy-Analyse, Prozess-Tracing, einfachem Plattform- und Dokumenten-Screening, Stakeholder-Mapping und, wo sinnvoll, Mini-Vergleichen.
Grundlagen der Politikwissenschaft und/oder Sozialwissenschaften und wissenschaftliches Arbeiten, Interesse am Thema, aktive Mitwirkung
Aktive Teilnahme, Referat (max. 20 Minuten beim zweiten Termin am 7. + 8. Februar) + Handout, Ko-Referat (Kommentierung)
Modulprüfung: Hausarbeit (12-15 Seiten)
Studierende der Politikwissenschaft, Soziologie und anderer Fachrichtungen, die sich für das Themenfeld interessieren.