Im globalen Norden gab es in den letzten Jahrzehnten kaum eine internationale Organisation, die sich nicht mit der Umsetzung und Entwicklung von Diversitätsmaßnahmen beschäftigt hat. Es schien, als würde sich die positive Konnotation und Förderung von Diversity nicht nur in Unternehmen, sondern auch in anderen Organisationen wie der öffentlichen Verwaltung, Universitäten oder dem Militär durchsetzen. Demgegenüber beobachten wir in jüngster Zeit, wie sich ehemalige Vorreiter von Diversitätsmaßnahmen wie die Global Player der Automobilbranche, Banken oder Handelsunternehmen öffentlich und mit einer enormen Geschwindigkeit von ihren „Diversity, Equality & Inclusion” (DEI)-Programmen distanzieren. Wir werden uns in diesem Seminar mit diesen aktuellen Entwicklungen auseinandersetzen.
Die Grundthese ist, dass es in verschiedene Richtungen zu Entkoppelungen und Heuchelei kommt: Zum einen können Organisationen nach außen (und nach innen) darstellen, dass Diversität, Inklusion und Fairness (DEI) Bedeutung haben, ohne dass dies durch Maßnahmen genügend unterlegt ist, zum zweiten können Organisationen darstellen, dass DEI wichtig für die Organisation ist, und unterlegen dies mit Maßnahmen, ohne zu wissen, wie diese wirken, drittens könnten Organisationen nach außen DEI-Programme einstellen, die entsprechenden Maßnahmen aber intern weiterführen.
Im Zentrum steht also die Frage, wie Diversiät in Organisationen dargestellt und wie dies bearbeitet wird und welche Folgen dies hat.
Neben einzelnen Fachartikeln und Aufsätzen lesen wir die Monographie:
Frank Dobbin/Alexandra Kalev (2022): Getting to Diversity. What works and what doesn't". Cambrigde. Massachusetts:Harvard University Press
Diese und weitere Literatur werden per Moodle bereitgestellt.
Grundkenntnisse in Gender studies und Organisationssoziologie sind hilfreich.
Prüfungsvorleistung:
- Auseinandersetzung mit der Pflichtlektüre
- Organisation einer Sitzung nach Vereinbarung (zusammen mit anderen Kommiliton*innen)
- Durchführung eines Interviews mit einer Diversity Manager/in, Transkription und Zusammenfassung
Prüfungsleistung:
- mündliche Prüfung (30 Minuten - 15 Minuten Vortrag, 15 Minuten Diskussion)
oder Podcast zum Thema oder Hausarbeit (genauere Infos dazu erfolgen im Seminar)
- Ausgangspunkt sollte jeweils das selbst geführte Interview mit einer/m Diversity Manager/in sein.
grundsätzlich ist die jeweilige Prüfungsleistung abhängig von den Modulordnungen.
Zentrale Inhalte des Seminars:
1. Die aktuelle internationale Diskussion um Diversität
2. Dobbin/Kalev: Getting to Diversity
3. Forschungen zum Stand von Diversity Maßnahmen in Deutschland
4. Entwicklung, Durchführung und Auswertung eines Interviews mit einer/m Diversity Manager/in