Seit dem 19. Jahrhundert hat sich das Judentum in verschiedene Strömungen ausdifferenziert. Reformjudentum, konservatives Judentum und auch die Neo-Orthodoxie haben in unterschiedlicher Weise auf die Herausforderungen der Moderne reagiert. Neben diesen bereits in Deutschland entstandenen Bewegungen, sind in den letzten Jahren weitere Gruppierungen entstanden, die sowohl gegenüber dem traditionellen Judentum als auch gegenüber den im 19. Jahrhundert entstandenen Bewegungen abweichende Positionen einnehmen. Hierzu rechnen der Rekonstruktionismus, das humanistische Judentum, Neo-Chassidismus, die Jüdische Erneuerungsbewegung und der jüdische Feminismus. Diese Bewegungen haben ihren Ursprung überwiegend in den USA und bis heute auch dort die meiste Verbreitung gefunden, wogegen sie andernorts (einschließlich Israels) nur über einen begrenzten Einfluss verfügen und in einführenden Darstellungen zum zeitgenössischen Judentum z.T. nicht einmal erwähnt werden. Teilweise überschneiden sich diese Bewegungen bzw. ihre Anhänger miteinander. Im Seminar sollen Auffassungen und Praxis der genannten Bewegungen eingehender untersucht werden.
Dana Evan-Kaplan: Contemporary American Judaism. Transformation and Renewal, New York 2009;
Karl Erich Grözinger: Jüdisches Denken. Theologie – Philosophie – Mystik, Band 5: Meinungen und Richtungen im 20. Und 21. Jahrhundert, Frankfurt/New York 2019, S. 429-524 u. 669-772;
Gilbert S. Rosenthal/Walter Homolka: Das Judentum hat viele Gesichter. Eine Einführung in die religiösen Strömungen der Gegenwart, Aktualisierte Neuausgabe, Berlin 2014.
Referat oder Essay