Dieses Hauptseminar untersucht die Genese und Transformation der Entwicklungspolitik als spezifischem Politikfeld in der Bundesrepublik Deutschland und bezieht vergleichbare historische Prozesse in der DDR mit ein. Er führt in die Benutzung einschlägiger Quellenbestände ein und unternimmt den Versuch einer Periodisierung von der Gründung beider deutscher Staaten im frühen Kalten Krieg bis zu den internationalen Krisen des frühen 21. Jahrhunderts. Anhand ausgewählter Beispiele von Industrialisierungsprojekten in Indien über die Frauenförderung in Lateinamerika bis hin zum „Wiederaufbau” Afghanistans werden die maßgeblichen Akteure, Institutionen und Instrumente sowie die Abgrenzungsschwellen des jungen Politikfeldes herausgearbeitet. Vor dem Hintergrund aktueller Umbrüche in der internationalen Politik verspricht eine umfassende Darstellung der Geschichte deutscher Entwicklungspolitik ein vertieftes Verständnis der disparaten Faktoren von Planung und Zukunftsgestaltung durch nationale Politik in globalen Bezügen.
Michael Bohnet: Geschichte der deutschen Entwicklungspolitik. Strategien, Innenansichten, Zeitzeugen, Herausforderungen, Konstanz 2015; Bastian Hein: Die Westdeutschen und die Dritte Welt. Entwicklungspolitik und Entwicklungsdienste zwischen Reform und Revolte 1959-1974, München 2006; Karsten Linne: Die Bruderschaft der „Entwickler“. Zur Etablierung der Entwicklungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland 1956 bis 1974, Göttingen 2021; Sara Lorenzini: Global Development. A Cold War History, Princeton 2019; Berthold Unfried: "Entwicklungshilfe" und "Internationale Solidarität". Globalisierungsunternehmen in Zeiten der Systemkonkurrenz, München 2024; Corinna Unger: International Development. A Postwar History, London 2018.