Der Surrealismus gilt oft als „typisch französische“ Avantgarde der 1920er Jahre. Dieses Seminar stellt diese Sichtweise radikal in Frage: Es zeigt, dass der Surrealismus von Anfang an transnational, mehrsprachig, kolonial verflochten und ästhetisch offen war. Ziel des Seminars ist folglich, den Surrealismus nicht als Stil, sondern als poetisches und politisches Denklabor zu begreifen – ein Labor, das weltweit Künstler*innen, Denker*innen und Dissident*innen anzog.
Das Seminar untersucht die poetischen, essayistischen und intermedialen Formen des Surrealismus aus verschiedenen Weltregionen (Frankreich, Karibik, Lateinamerika, Nordafrika), mit besonderem Augenmerk auf Dekolonialität, Gender, Körper und Sprache. Gemeinsam fragen wir:
Am Ende des Seminars sollen folgende Lernziele erreicht werden:
Das Seminar gliedert sich in vier thematische Blöcke:
Themenblock 1: Einführung und Kanon (Sitzung I–III)
Themenblock 2: Surrealismus als transnationales Netzwerk (Sitzung IV–V)
Themenblock 3: Dekoloniale Perspektiven und globale Stimmen (Sitzung VI–X)
Themenblock 4: Theorie, Gegenwart, Transfer (Sitzung XI–XV)
Es werden unter anderem folgende Werke im Laufe des Seminars (in Auszügen) behandelt: Asturias, Miguel Ángel. El Señor Presidente. México, Costa-Amic, 1946. Benjamin, Walter. ”Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit.” Zeitschrift für Sozialforschung, vol. 5, no. 1, 1936. Breton, André. Manifeste du surréalisme. Poisson soluble. Paris, Éditions du Sagittaire, 1924. Buñuel, Luis, and Salvador Dalí. Un Chien andalou. 1929. Carpentier, Alejo. El reino de este mundo. México, EDIAPSA, 1949. Carrington, Leonora. ”La débutante.” La Dame ovale, Paris, GLM, 1939. Césaire, Aimé. Cahier d’un retour au pays natal. Paris, Bordas, 1947. Césaire, Suzanne. ”Le surréalisme et nous.” Tropiques, nos. 8–9, 1943. Deren, Maya, and Alexander Hammid. Meshes of the Afternoon. 1943. Desnos, Robert. ”Récits de rêves.” Littérature, Paris, 1922. Éluard, Paul. Capitale de la douleur. Paris, Gallimard, 1926. Ernst, Max. La femme 100 têtes. Paris, Éditions du Carrefour, 1929. Freud, Sigmund. Die Traumdeutung. Leipzig and Wien, Franz Deuticke, 1900. Glover, Donald. Atlanta. FX Networks, 2016–2022. Kristeva, Julia. Powers of Horror: An Essay on Abjection. Translated by Leon S. Roudiez, Columbia UP, 1982. Maar, Dora. Écrits: Poésies – Petite Solde – Carnets. Paris, Gallimard, 2020. Miano, Léonora. Rouge impératrice. Paris, Grasset, 2019. Miller, D. Scot. ”The Afrosurreal Manifesto: Black Is the New Black.” San Francisco Bay Guardian,27 May 2009. Moro, César. La tortuga ecuestre. Lima, Imprenta D. Miranda, 1957. Sarr, Felwine. Afrotopia. Paris, Philippe Rey, 2016. Sämtliches Text- und Filmmaterial wird primär in Originalsprache (Französisch, Spanisch) zur Verfügung gestellt. Im Seminar wird vorrangig auf Deutsch gearbeitet, Lesekompetenz in romanischen Sprachen, bzw. die Bereitschaft zur eigentständigen sprachlichen Vorbereitung, ggbf. auch mit Übersetzungen, wird vorausgesetzt. Es ist nicht notwendig, Material im Vorfeld zum Seminar anzuschaffen. Ab Semesterbeginn steht Ihnen in der Universitätsbibliothek (Standort Neues Palais) ein Semesterapparat zur Verfügung, der die wichtigsten Primärtexte sowie ausgewählte Sekundärliteratur beinhaltet. Nähere Informationen diesbzgl. erhalten Sie zu Beginn des Seminares.
Gute Sprachkenntnisse des Französischen und Spanischen sind empfehlenswert. Bitte prüfen Sie im Vorfeld die Zulassungs- und Prüfungsvoraussetzungen im Rahmen der jeweiligen Modul- und Prüfungsordnung für dieses Seminar. Sollten diesbzgl. Unklarheiten bestehen, melden Sie sich bitte umgehend bei mir.
Testat: Referat
Das Seminar bietet die Möglichkeit, alternative Prüfungsformate zu wählen, die sowohl analytische als auch kreative Kompetenzen ansprechen. Alle Formate bestehen aus zwei Elementen: einem mündlichen Präsentationsteil sowie einem schriftlichen Support, der die Präsentation dokumentiert und reflektiert. Ziel ist es, individuelle Interessen zu fördern und zugleich eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Inhalten des Seminars zu ermöglichen. Die Präsentationen finden in den letzten beiden Sitzungen des Semesters (XIV und XV) statt. Der mündliche Teil umfasst eine 10- bis 15-minütige Präsentation, in der ein selbstgewähltes Thema im Kontext des Seminars vorgestellt wird. Dabei kann das Format frei gewählt werden: Möglich sind klassische Vorträge ebenso wie interaktive oder kreative Beiträge – etwa in Form einer szenischen Lesung, eines Videos, einer Text-Bild-Collage oder eines thematischen Moodboards. Die Präsentation soll eine nachvollziehbare Fragestellung entwickeln, relevante Materialien (Texte, Theorien, Bilder) einbeziehen und in strukturierter Form zu einem Ergebnis kommen. Der Präsentation schließt sich eine kurze Diskussion an, in der Rückfragen gestellt und Kommentare aus dem Plenum gesammelt werden. Ergänzt wird die Präsentation durch eine schriftliche Komponente, für die drei Optionen zur Auswahl stehen: (1) Ein Thesenpapier (2–3 Seiten) mit zentralen Argumenten und einem kurzen Kommentar zu einer selbst gewählten Primärquelle (z. B. Gedicht, Essay, Bild); (2) ein kreatives Format (z. B. Collage, lyrischer Text, Dialogform), ergänzt durch eine kurze schriftliche Reflexion (1–2 Seiten), in der das Konzept und seine Relevanz für das Seminarthema erläutert werden; oder (3) eine Mini-Forschungsskizze (3–4 Seiten), wie sie auch als Vorbereitung für eine spätere Hausarbeit dienen könnte. Diese sollte eine Fragestellung, eine kurze methodische Überlegung, eine Materialübersicht und erste Literaturansätze enthalten.Die Bewertung erfolgt auf Grundlage von Klarheit und Nachvollziehbarkeit der Präsentation, Reflexionsniveau und Kontextualisierung des Themas, Eigenständigkeit in der Bearbeitung sowie Sorgfalt im schriftlichen Teil. Alle Prüfungsformate sind gleichwertig. Das alternative Konzept ermöglicht eine diversere und individuellere Leistungsüberprüfung und fördert sowohl kritisches Denken als auch kreative Transferleistungen – im Geiste eines lebendigen, weltbezogenen Surrealismus.
Sollten Sie zwecks Modul-/Prüfungsordnung im Rahmen dieses Seminares einen anderen Leistungsnachweis als das geforderte Testat benötigen, sprechen Sie mich bitte zu Beginn des Seminares an.