Die Sozialgeschichte ist eine der klassischen methodischen Hauptrichtungen der jüngeren Geschichtswissenschaft. Sie entwickelte sich seit den 1960er Jahren aus der Rezeption sozialwissenschaftlicher Methoden durch die Geschichtswissenschaft als damals so bezeichnete „Gesellschaftsgeschichte“. Mit den „cultural turns“ seit den 1990er Jahren nahm sie auch kulturwissenschaftliche Frageperspektiven auf und liefert Einblicke in grundlegende Aspekte nahezu aller Ansätze der Geschichtswissenschaft. Im Seminar wird exemplarisch ein Vergleich der deutschen und englischen Gesellschaft der Frühen Neuzeit unternommen, um auf diese Weise einen Einstieg in die Grundgedanken und Arbeitsweisen der Sozialgeschichte zu erhalten. Während England in sozialgeschichtlicher Hinsicht häufig als Sonderfall angesehen wird, fällt in Deutschland die Vielfalt der regionalen Verhältnisse auf. Doch nur vor dem Hintergrund allgemeiner Strukturen und Bedingungen, lassen sich auch die Besonderheiten der jeweiligen Entwicklung herausstellen. Thematisiert werden wichtige Untersuchungsgegenstände der frühneuzeitlichen Gesellschaft: die ländliche, die städtische und die höfische Gesellschaft sowie Probleme von Minderheiten am Beispiel der Hugenotten.
Rolf Walter, Einführung in die Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Köln/Weimar/Wien 2008; Olaf Blaschke, Sozialgeschichte. Einführung, Baden-Baden 2025; Frank O'Gorman, The long Eighteens Century. British Political and Social History 1688–1832, London 1997; Kaspar von Greyerz, England im Jahrhundert der Revolutionen 1603-1714, Stuttgart 1994; Peter Wende, Geschichte Englands, Stuttgart 1985. Weitere4 Literatur wird im Seminar genannt.
Teilnahme an den Seminardiskussionen; seminarbegleitende Lektüre von Forschungsliteratur und Quellen; drei Stundenprotokolle (keine Referate!); Hausarbeit (10–12 Seiten).