Das „lange“ 18. Jahrhundert (ca. 1680–1830) gilt gemeinhin als Zeitalter der Aufklärung und als eine zentrale Epoche der europäischen Geschichte, die in vielen Wissensbereichen einschneidende Neuerungen brachte. Zu den wichtigsten Grunderfahrungen dieser Zeit gehörte die europäische Begegnung mit den Völkern der außereuropäischen Welt. Die Erforschung selbst der entferntesten Erdteile schuf einen globalen Erkenntnisrahmen, in den die Vielfalt der Kulturen der Welt eingetragen werden konnte. Zugleich bildete dies die Grundlage für ein Konzept von Menschheitsgeschichte, das den Durchgang der Menschen durch verschiedene Stadien ihrer Entwicklung beschreiben und den Ort der europäischen Kultur in ihrem Verhältnis zur übrigen Welt begreifen sollte. Die Aufklärung ist jedoch auch eine zweischneidige Epoche: Die Betonung der Vernunft, die Idee der Menschenrechte und der Glaube an die Emanzipationsfähigkeit des Menschen stehen im Kontrast zu Kolonialismus, Sklaverei und der Entwicklung von Rassetheorien.
Das Seminar behandelt das Zeitalter der Aufklärung im Kontext von Geschichtsschreibung, Anthropologie und Kolonialismus. Dabei soll es darum gehen, die Widersprüche und Brüche der Aufklärung sowie ihr bis heute fortwirkendes Erbe zu diskutieren.
Moravia, Sergio: Beobachtende Vernunft: Philosophie und Anthropologie in der Aufklärung, Frankfurt am Main 1989.
Osterhammel, Jürgen: Die Entzauberung Asiens. Europa und die asiatischen Reiche im 18. Jahrhudnert. München 2010.
mündl. Teilnahme, Referat, Hausarbeit (12-15 Seiten)