Hegels Vorlesungen über die Ästhetik sind einer der wirkmächtigsten Texte der Klassischen Deutschen Philosophie. Dieses Werk enthält nicht nur eine ausgezeichnete Einführung in Hegels Philosophie im Ganzen, es vollendet zugleich eine nach Kant einsetzende Neubestimmung von philosophischer Ästhetik als Philosophie der Kunst. Hegels Werk ist dabei der Endpunkt einer bemerkenswerten Epoche der Philosophie, in der sich der Gedanke entfaltet hat, dass “der höchste Akt der Vernunft, der, in dem sie alle Ideen umfaßt, ein ästhetischer Akt” (Ältestes Systemprogramm) sei und dass die wahrhafte Befreiung des Geistes nur durch das Ästhetische hindurch zu erlangen ist. Hegel ist ein Endpunkt dieser Bewegung in dem Sinne, dass er dieser These einerseits einen erneuten kraftvollen Ausdruck verleiht, andererseits zugleich behauptet, dass “die Kunst nach der Seite ihrer höchsten Bestimmung für uns ein Vergangenes” sei. Für uns kann die Kunst also nicht mehr das sein, was sie einmal war: der höchste Akt des Geistes, in dem sich menschliche Befreiung vollendet. An dieser Diagnose vom Ende der Kunst haben sich die Geister geschieden.
In diesem Seminar wollen wir uns zunächst intensiv diesem wichtigen Text selbst widmen und Auszüge aus den ersten beiden Bänden studieren, insbesondere die Abschitte zum Ideal des Kunstschönen und den Formen des Kunstschönen (die klassische Kunstform, die romantische Kunstform und ihre Auflösung). Im zweiten Teil des Seminars werden wir Hegels Position genauer untersuchen, indem wir sie in ihrem Verhältnis zu Zeitgenossen und Nachfahren betrachten, insbes. in ihrem Verhältnis zur Romantik, zu Hölderlin, zu Adorno und zu Danto.
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