Dieser Kurs untersucht die Genese, Transformation und politischen Zielsetzungen der deutschen Entwicklungspolitik nach dem Zweiten Weltkrieg in vergleichender Perspektive. Dabei werden sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch die DDR systematisch in den Blick genommen. Der Kurs fragt nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden in den entwicklungspolitischen Konzepten beider deutscher Staaten, nach ihren außen- und wirtschaftspolitischen Interessen sowie nach ideologischen Prägungen und internationalen Handlungsspielräumen im Kontext des Kalten Krieges. Vor diesem Hintergrund stellt sich auch die Frage nach dem Fortleben kolonialer Denkstrukturen in der entwicklungspolitischen Praxis beider deutscher Staaten sowie nach dem Verhältnis und Spannungsfeld zwischen humanitären bzw. altruistischen Motiven und politischen Eigeninteressen. Ein praktischer Bestandteil des Seminars ist eine Exkursion in das Politische Archiv des Auswärtigen Amtes. Dabei erhalten die Teilnehmenden nicht nur einen Einblick in die Arbeitsweise der Institution, sondern können auch selbst Akten bestellen und einsehen. So wird der direkte Umgang mit historischen Quellen erprobt und ein praxisnaher Zugang zur archivalischen Forschung ermöglicht.
Corinna Unger: International Development. A Postwar History, London 2018.
Hubertus Büschel: Hilfe zur Selbsthilfe. Deutsche Entwicklungsarbeit in Afrika 1960–1975, Frankfurt am Main / New York, 2014.
Bastian Hein: Die Westdeutschen und die Dritte Welt. Entwicklungspolitik und Entwicklungsdienste zwischen Reform und Revolte 1959-1974, München 2006.
Karsten Linne: Die Bruderschaft der „Entwickler“. Zur Etablierung der Entwicklungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland 1956 bis 1974, Göttingen 2021.
Stephen J. Macekura/Erez Manela (Hg.): The Development Century. A Global History, Cambridge, Mass. 2018.
Quelleninterpretation im Umfang von 10 Seiten