Dieses Seminar beschäftigt sich mit den Auswirkungen des wirtschaftlichen Wandels auf das Leben der Arbeiter*innen seit den 1960er Jahren. In den letzten Jahren ist eine umfangreiche Literatur zum industriellen Niedergang entstanden, der häufig als „Deindustrialisierung“ aber auch euphemistisch als „Strukturwandel“ bezeichnet oder als Folge des „Aufbau Ost“ interpretiert wird. Diese Literatur beleuchtet neben den Krisen der Kohle- und Stahlindustrie auch die Textil- und Haushaltswarenindustrie, in der besonders viele Frauen beschäftigt waren.Anhand spezifischer Fallstudien werden wir die vergleichenden Dimensionen und die Auswirkungen wirtschaftlicher Transformationsprozesse in Ost und West auf das Leben der Arbeiterschaft sowie deren Formen von Geselligkeit untersuchen. Zu den Themen gehören unter anderem die Rolle von Sport, Literatur und Musik. Ein besonderer Fokus wird darauf liegen, zu analysieren, wie Deindustrialisierungsprozesse Ängste vor der Globalisierung schürten und eine emotionale Debatte über das Wesen postindustrieller Gesellschaften zwischen Individualisierung und Prekarisierung der Arbeit auslösten.Ziel des Seminars ist es, Forschungsliteratur und Quellen zu den Folgen der Deindustrialisierung kennenzulernen und diese in aktuelle Debatten der Wirtschafts-, Sozial-, Kultur- und Emotionsgeschichte einzuordnen.
- Tim Strangleman, James Rhodes, and Sherry Linkon: Introduction to Crumbling Cultures: Deindustrialization, Class, and Memory. In International Labor and Working-Class History 84 (2013), S. 7–22. - Stefan Berger: Vom Osten lernen? Konzeptionalisierungen von Strukturwandel im Ruhrgebiet im Kontext des deutsch-deutschen Vereinigungsprozesses, in: Jahrbuch deutsche Einheit. Hrsg. v. Marcus Böick, Constantin Goschler und Ralph Jessen. Berlin 2022, S. 229 – 250.- Jackie Clarke, Arthur McIvor, Anna McEwan, und Sinead Burns: Gender and Deindustrialization: A Transnational Historiographical Review. In: International Labor and Working-Class History 105 (2024),S. 85–103.
- Simon Gunn und Colin Hyde: Post-Industrial Place, Multicultural Space: The Transformation of Leicester, c.1970-1990. In International Journal of Regional and Local History 8, no. 2 (2013), S. 94–111.
- Ryan M Moore: The unmaking of the English working class: Deindustrialization, reification and the origins of heavy metal. In Heavy metal music in Britain. Hrsg. v. Gerd Bayer. London, New York 2016, S. 143-160.
- Julia Wambach: ‘Der Fußball war schon immer für die Menschen im Revier da’. Sport als emotionaler Anker regionaler Identität nach der Kohle am Beispiel des FC Schalke 04, in: Schimanski, Kumpel, Currywurst? Identitätskonstruktionen für das Ruhrgebiet seit den 1970er Jahren. Hrsg. v. Juliane Czierpka, Sarah Thieme und Florian Bock. Frankfurt 2024, S. 167-197.
Referat und Hausarbeit.