Stärker als bei anderen literarischen Gattungen spielt bei lyrischen Gedichten die Sinnlichkeit von Sprache für die Wirkung des Textes eine entscheidende Rolle. Die subtil kalkulierte Verbindung von (lexikalischer und bildlicher) Wort- und Satzbedeutung des Gedichtes mit dem Klang und der Betonungsfolge (Rhythmus) der Wörter und Verse macht die besondere Stimmung und Intensität von Lyrik aus. Jedoch werden Gedichte nicht nur gehört, sondern vor allem – vor, beim und nach dem Lesen – gesehen. Neben der Bedeutung der akustischen Dimension von Gedichten, die seit vielen Jahrhunderten mit Begriffen wie Metrum, Reim oder Kadenz beschrieben und systematisiert wird, gewinnt also spätestens mit der primär individuellen, still lesenden Rezeption von Gedichten im 19. Jahrhundert die visuelle Dimension von Gedichten zunehmend an Bedeutung. Wer ein Gedicht liest, sieht es an. Autorinnen und Autoren arbeiten auf vielfältige Weise mit typographischen Strukturen: der Anordnung von Buchstabenformen, Wörtern und Versen, um die ästhetische und semantische Attraktivität und Verarbeitung eines gedruckten Gedichtes zu lenken.
Das Seminar untersucht diese bislang wenig beachtete Dimension von Lyrik anhand von Gedichten des 19. bis 21. Jahrhunderts sowie von Forschungstexten. Grundkenntnisse über die Beschreibung und Analyse von Gedichten sind nützlich, aber nicht Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar. Wichtiger sind ein Interesse an Lyrik, Neugier auf ungewohnte Fragestellungen und die Bereitschaft, sich auch mit Forschungstexten auseinanderzusetzten.
2 LP: Referat (10 min)
3 LP: Referat (10 min) u. Exzerpt
4 LP: Referat (10 min) + Modulprüfung (HA/ PG)
5 LP: Referat (15 min) u. Exzerpt u. Ausarbeitung (Gedichtanalyse)