Neben den narrativen Großformen, also dem höfischen Roman und dem Heldenepos, kennt die mittelhochdeutsche Literatur auch eine Fülle kleiner, also kurzer, Erzählformen wie die Fabel, den Schwank, die Legende oder novellistische und allegorische Erzählungen. Anders als in der Moderne zeichnet sich zur Zeit ihrer Entstehung aber noch kein klares Gattungsbewusstsein ab und die einzelnen Texte lassen sich oft mehreren Texttypen gleichzeitig zuordnen. Das macht es schwierig, eine literaturgeschichtliche Perspektive auf sie einzunehmen, also zu beurteilen, in welchem Verhältnis die kleinen mittelhochdeutschen Formen zu modernen stehen: Gibt es Verbindungslinien, die von ihnen z.B. zu den Märchen führen? Lassen sich die mittelhochdeutschen Erzählungen von unerhörten Begebenheiten als Novellen verstehen? Und warum hat sich ausgerechnet die Fabel von Mittelalter bis in die Moderne vergleichsweise wenig verändert?
Diese Lehrveranstaltung findet in Kooperation mit dem Seminar Von Märchen bis Novelle. Kurze Erzählformen in der Neuzeit von Andreas Degen statt. Gemeinsam wollen am Beispiel der kleinen Erzählformen literaturgeschichtliches Arbeiten einüben, aber auch darüber sprechen, was Texttypen und Gattungen sind und was man mit diesen literaturwissenschaftlichen Basiskategorien (in historischer Perspektive) eigentlich anfangen kann.
Tafelbild oder Protokoll