„Hier ist Platz Etwas zu werden!” schreibt Fanny Lewald über Berlin, wohin sie in den 1840er Jahren zog, um Schriftstellerin zu werden. Großstädte im 19. Jahrhundert sind, allen voran Berlin, München und Wien, Orte des Austauschs des literarischen Lebens: Schriftsteller*innen ziehen dorthin, um ihrem Beruf nachgehen zu können, treffen sich in Kaffeehäusern, Bars und Lokalen, flanieren und beobachten. Die große Stadt bietet aber nicht nur Platz zur Selbstentfaltung und die Möglichkeit zum Kontakt mit Bohéme und Avantgarden, sondern macht auch Problemfelder sichtbar: Verkehr und Schmutz, Krankheit und schlechte Arbeitsbedingungen, Enge und Armut gehören zu den wichtigsten Themen der naturalistischen Literatur, die sich zur Aufgabe macht, die "Wirklichkeit" zu schildern.Städte sind auch die Orte, an denen Literatur im wortsinn produziert und gemacht wird: In Redaktionen und Druckereien von Tageszeitungen und Journalen, an Theatern und Bühnen, in Verlagen und Salons. Diese Produktionszusammenhänge wollen wir genau so in den Blick nehmen wie Ästhetik und Erzählstrategien der Texte aus und über Metropolen. Romane und Erzählungen, die in Berliner Zeitungen erschienen sind, sollen daher eine besondere Rolle im Seminar spielen. Eine Seminarsitzung wird voraussichtlich durch eine Exkursion ersetzt.Wir lesen u.a. Texte von Fanny Lewald, Clara Viebig und Theodor Fontane.
Teilnahme an einer Expert*innengruppe mit Gruppenvortrag (ca. 15 Min), Thesenpapier und Diskussionsleitung